Ringofen

Der Letzte seiner Art

Der Ringofen Sassen

Zwischen 1880 und 1950 war die Ziegelindustrie in Düsseldorf ein prägender Wirtschaftszweig. Mehr als 400 Feldbrand- und über 40 Ringofenziegeleien versorgten die Stadt mit dem notwendigen Baustoff. Um Düsseldorf herum ein Gürtel von Ziegeleien. Lag er zunächst ganz eng um den alten Stadtkern, wuchs er mit dem Ausgreifen der Stadt. Schließlich reichte dieser Ziegeleigürtel von Lohausen und Stockum, wo heute die EspritArena steht, über Unterrath, Rath bis zum Gallberg und über Flingern, Bilk, Wersten und Urdenbach bis ins Linksrheinische.

Das Zentrum dieses Gürtels entstand in den späten 1890er Jahren am Gallberg sowie im Kreuzungsbereich Ratinger Weg/Bergische Landstraße. Um 1910 herum produzierten hier auf weniger als einem Quadratkilometer zeitgleich acht Ziegeleien. Eine imponierende, aber zugleich verstörende Industrielandschaft mit 17 qualmenden Schornsteinen und Baggern, die massiv in die Landschaft eingriffen, prägte damals das heutige Naherholungsgebiet.

Der Ringofen Sassen ist das letzte sichtbare Überbleibsel dieser Industrie.

Seine Geschichte

1896 nahmen Peter Lennartz und Jakob Piel auf dem Gallberg eine Ringofenziegelei in Betrieb. Bereits 1892 hatte Peter Florack auf der anderen Straßenseite einen ersten Ringofen in Betrieb genommen. Der Ringofen der Ziegelei am Gallberg mit 18 Brennkammern hatte eine Jahreskapazität der Ziegelei am Gallberg lag von zwölf Millionen Steinen. 1912 wechselte der Besitzer. Seit diesem Jahr firmierte die Ziegelei unter dem Namen Ludwig Sassen. In seinem Besitz sollte sie bis zum Ende der Produktion bleiben.

Anfang der 1970er Jahre lagen alle Ziegeleien am Gallberg brach. Nach und nach siedelten sich Reifen- und Gebrauchtwagenhändler sowie Autoverwertungen an. Obdachlose nutzten die verlassenen Baracken als Unterkunft. Obwohl 1988 die Gesamtanlage der Ziegelei Sassen unter Schutz gestellt wurde, beantragte das Bauunternehmen Bast Bau die Aufhebung des Denkmalschutzes, um den Ringofen abreißen zu können. Unmittelbar nachdem die Stadt dem stattgegeben hatte, musste Bast Bau im November 2000 Insolvenz anmelden.

Der Ringofen gehörte nun zur Insolvenzmasse. 2008 kaufte Hochtief Solution das Areal. Der FKI konnte Hochtief vom Erhalt und Notwendigkeit der Restaurierung des Ringofens überzeugen. Das Unternehmen entschied sich nach Absprache mit dem FKI und der Denkmalbehörde, das nördliche Segment und das Mittelteil mit dem charakteristischen Kaminstumpf auf eigene Kosten zu erhalten. Seit 2011 nutzt der FKI den Ringofen für Ausstellungen und Veranstaltungen. Als ersten Schritt zu einer dauerhaften musealen Nutzung eröffnete der Verein 2015 die Ausstellung „Der Letzte seiner Art – Die Geschichte des Ringofens Sassen“.

Das Konzept

Der Ringofen steht für viel mehr als nur für die Technikgeschichte der Ziegelherstellung. Der Ziegelstein als prägendes Element der Architektur hat in Düsseldorf eindrucksvoll seine Spuren hinterlassen. Auch ist die Geschichte der Ziegelherstellung in der Landeshauptstadt ein wichtiger Indikator für die Stadtentwicklung. Diese drei Aspekte will die zukünftige Dauerausstellung zusammenbringen. Stadtgeschichte wird im Ringofen erlebbar. Im Kaminsegment wird zudem eine kleine Schauwerkstatt eingerichtet, die zum Ziegelbacken einladen soll.

Das Konzept sieht vor, anhand von fünf Kapiteln, die sich an bestimmten Jahreszahlen orientieren, die Zusammenhänge von Ziegelherstellung, Architektur und Stadtentwicklung anschaulich werden zu lassen:

1644 zog Herzog Wolfgang Wilhelm während des Dreißigjährigen Krieges seine Untertanen zum Ausbau Düsseldorfs mit einer aus Ziegeln gemauerten Festung heran. In dieser Zeit entstanden auch Bauten wie die Berger Kirche.

1882 wuchs die Stadt, die jetzt von Bauten wie der Johanneskirche geprägt wurde, explosionsartig. In diesem Jahr beantragte Heinrich Cürten eine Feldbrandziegelei in Flingern. Mehr als 350 solcher Feldbrände existierten bis 1914 in der Stadt.

1896 startete dann die Ziegelei von Lennartz & Piel an der Bergischen Landstraße. Mit dem Ringofen begann die industrielle Ziegelproduktion. Auf dem Höhepunkt der Industrialisierung entstanden Bauten wie die ehemaligen Ulanenkasernen an der Tannenstraße.

1925 kämpfte die Stadt gegen ein Kartell von Ziegeleien, welche die Preise künstlich hochhielten. Gleichzeitig prägten Bauten wie der Ehrenhof den Begriff des „Düsseldorfer Backsteinexpressionismus“.

1969 schloss mit der Ziegelei Kehne die letzte Düsseldorfer Ziegelei. Düsseldorf hatte sich inzwischen zur modernen Großstadt entwickelt, in der Ziegelstein von Glas, Stahl und Beton verdrängt wurde.

Weitere Orte der Industriekultur in Düsseldorf